Die Wikinger: Entdecker und Eroberer

Die Wikinger: Entdecker und Eroberer

by Jörn Staecker, Matthias Toplak

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Overview

Die Wikinger gelten als verwegene Kerle, die auf ihren Drachenschiffen Schrecken und Verderben über das mittelalterliche Europa brachten. Sie kannten keine Grenzen, fürchteten weder Tod noch Teufel und ihre einzige Sorge galt dem Nachschub an Met – so denken wir. Doch wer waren die Wikinger wirklich? Mut, Abenteuerdrang und Freiheitsstreben der Wikinger sind legendär. Wie aber lebten die "Rocker" der europäischen Frühgeschichte? Und wie haben sie unsere moderne Welt geprägt? Dank neuester archäologischer Forschung können wir heute ein differenziertes Bild der Nordleute zeichnen. Es zeigt eine faszinierende Kultur, in der sich die großen Fragen unserer Gegenwart spiegeln: Identität und Zugehörigkeit, Mobilität und Migration, Religionskonflikte und Kämpfe um Ressourcen. Dieser farbenprächtig illustrierte Band füllt die Lücken unseres bisherigen Wissens über die Wikinger mit überraschenden neuen Erkenntnissen.

Product Details

ISBN-13: 9783843721868
Publisher: Ullstein Ebooks
Publication date: 09/27/2019
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 500
File size: 33 MB
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About the Author

Jörn Staecker, geboren 1961 in Buxtehude, gestorben 2018 in Tübingen, war Professor für Mittelalterarchäologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und einer der prägenden Wissenschaftler für die skandinavische Wikingerzeit. Dieses Buch ist sein Vermächtnis und Zeugnis seiner lebenslangen Begeisterung für die Wikinger.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Die Wikingerzeit aus archäologischer Sicht

1.1 Wikinger!

Matthias Toplak

Als Wikingerzeit wird üblicherweise die Epoche des achten bis elften Jahrhunderts nach Christus in Nordeuropa bezeichnet – das Zeitalter der skandinavischen Expansion, in dem Piraten aus dem Norden wie eine Naturkatastrophe über die europäische Welt hereinbrachen, Klöster, Städte und Handelsplätze plünderten und ein nahezu die gesamte damals bekannte Welt umspannendes Handelsnetzwerk etablierten. Die mit den Plünderfahrten der Wikinger einhergehende ungezügelte Gewalt, die Verheerungen und die enorme Furcht vor diesen heidnischen Barbaren waren enorm. Die Wikinger wurden als Geißel Gottes betrachtet, als göttliches Strafgericht für die Sünden der Menschheit, und so mancher Mönch betete abends darum, dass sein Kloster von den Angriffen der Nordmänner verschont bleibe. Denn es waren zumeist die abseits gelegenen, nicht befestigten, aber enorm reichen Klöster, die zu einem lukrativen Ziel der Raubzüge wurden. Die Klöster waren schutzlos, denn es war ihren Bewohnern verboten, Waffen zu führen. Gleichzeitig besaßen sie wertvolle liturgische Gegenstände – Messkelche, Kerzenleuchter und Monstranzen aus Gold und Silber, seidendurchwirkte Messgewänder und Handschriften mit edelsteinverzierten Buchdeckeln. Daher war es naheliegend, dass Klöster die bevorzugten Ziele der Wikinger waren. In der frühmittelalterlichen Gesellschaft waren es jedoch die christlichen Mönche in den Skriptorien der Klöster, die in Chroniken und Annalen über die Ereignisse berichteten. Und so überliefern die zeitgenössischen historischen Quellen ein deutlich verzerrtes Bild der Wikinger. Sie schufen die Vorstellung einer religiösen Auseinandersetzung, die sich bis heute gehalten hat; die der heidnischen Wikinger, die aus bewusster Ablehnung des Christentums Klöster geplündert und Mönche getötet hätten. Bedeutsamer als religiöse Konflikte war jedoch mit Sicherheit die Aussicht auf schnelle Beute. Das zeigt sich an den Überfällen auf die großen Städte an Rhein, Maas und Mosel wie Köln oder Trier oder an dem alleine zwischen 834 und 863 nach Christus mehrfach geplünderten Handelsplatz von Dorestad im Rheindelta in den heutigen Niederlanden.

Zudem erheben die historischen Quellen nur einen Ausschnitt dieser facettenreichen Kultur zu dem bis heute die Wahrnehmung dominierenden Faktor, der nicht nur einer ganzen Epoche – der Wikingerzeit – ihren Namen gegeben hat, sondern auch den Bewohnern des frühmittelalterlichen Skandinaviens.

Was bedeutet »Wikinger«?

Während die Epochenbezeichnung als Wikingerzeit aufgrund der enormen Expansionsbewegungen der Bewohner Skandinaviens durchaus zutreffend ist, erscheint der Name »Wikinger« ebenso irreführend wie problematisch. Die genaue Herkunft und die ursprüngliche Bedeutung dieses Begriffs sind noch immer nicht gänzlich geklärt.

Zur Herkunft des Worts existiert eine Reihe verschiedener Theorien. Die wahrscheinlichste Erklärung leitet das altnordische Wort víkingr von Viken (»Bucht«) ab, der historischen Bezeichnung für den Oslofjord im heutigen Norwegen. Ein Wikinger wäre demnach ursprünglich ein Bewohner der Region um den Oslofjord gewesen. Ähnlich, aber etwas allgemeiner ist die generelle Ableitung von vík, dem altnordischen Wort für »Bucht«. Dies könnte schlicht auf die von Fjorden und Buchten durchzogene norwegische und schwedische Küste hinweisen – Wikinger als die Leute aus den Buchten. Im Gegensatz dazu bringt eine dritte und in der modernen Forschung zumeist verworfene Theorie das Wort víkingr mit wic in Verbindung, der germanischen Schreibweise des lateinischen vicus (»Hafen«, »Handelsplatz«), das sich als Namensendung bei einer Reihe von Handelsplätzen im angelsächsischen Bereich wie Eoforwic (Yorvík/York) findet. Die Bezeichnung »Wikinger« würde von den skandinavischen Kaufleuten stammen, die an diesen Marktplätzen Handel trieben. Diese Theorie war besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert beliebt, als der in der Propaganda der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg zentrale kriegerische Aspekt der Wikinger aus gesellschaftspolitischen Gründen in Skandinavien – Gründung der NATO und Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft – heruntergespielt und stattdessen die Rolle der Wikinger als friedliche Händler und Seefahrer in den Vordergrund gestellt werden sollte.

Während in den fränkischen Chroniken des neunten Jahrhunderts die Bezeichnung »Wikinger« nur selten verwendet wurde und stattdessen von »Dänen«, »Normannen«, »Piraten« oder »Heiden« die Rede ist, steht »Wikinger« in den zeitgleichen angelsächsischen Quellen explizit für »Seeräuber«. In dieser Bedeutung lässt es sich auch an einigen wenigen Stellen in der altnordischen Skaldik und den Runeninschriften des zehnten und elften Jahrhunderts fassen, den einzigen echten sprachlichen Überlieferungen der Wikinger. Ein víkingr ist dort ein kampferprobter Mann, der auf eine Plünderfahrt, auf víking geht. Im Kontrast zur Bedeutung dieses Begriffs in der späteren altnordischen Sagaliteratur des 13. und 14. Jahrhunderts, in welcher víkingr zunehmend negativ besetzt ist und notorische Unruhestifter und Gewalttäter bezeichnet, scheint dieses Bild eines unerschrockenen und abenteuerlustigen Seeräubers durchaus dem männlichen Ideal der Wikingerzeit entsprochen zu haben.

Streng genommen ist die Bezeichnung als Wikinger damit nur für einen kleinen Teil der männlichen Bevölkerung Skandinaviens im Frühmittelalter zutreffend, denn es handelt sich dabei in erster Linie um eine Handlung – auf víking gehen. Nur wenige Männer nahmen jedoch jemals an einer ebenso riskanten wie oftmals lukrativen Fahrt teil, um sich Ansehen und Reichtum zu erwerben. »Professionelle« Wikinger, die über längere Zeit die Sommermonate auf víking verbrachten, werden selten gewesen sein, vermutlich zumeist nur die Schiffseigner, einzelne ältere Krieger aus deren direktem Umfeld und die Steuermänner. Allerdings waren die Übergänge zwischen Raubzug, Kriegsfahrt und friedlicher Handelsreise fließend – oft spricht man daher auch von Raubhandel –, und es wurde auf dem einen Handelsplatz verkauft, was zuvor erbeutet worden war. Ausschlaggebend war dabei immer ganz opportunistisch die Einschätzung der militärischen Stärke. An einem gut befestigten und gesicherten Handelsplatz wurde friedlich Handel getrieben, während wehrlose Siedlungen und Marktplätze geplündert und kleinere Schiffe aufgebracht wurden. Daher waren auch professionelle Händler, die beispielsweise auf den Handelsrouten Osteuropas unterwegs waren, teilweise Wikinger im eigentlichen Wortsinne, zumal ihre Wehrhaftigkeit kulturell tief verankert war und jeder freie Mann Waffen trug. Ebenso benötigten auch die »beruflichen« Krieger im Gefolge eines lokalen Herrschers den Zugang zu Handelsplätzen, um dort die Beute ihrer Kriegszüge zu verkaufen.

Die Kultur des frühmittelalterlichen Skandinaviens war also geprägt von einer engen Verbindung zwischen dem waffentragenden, wehrhaften Mann als höchstem männlichen Ideal und der Seefahrt. Dieser kulturell so bedeutsame und in seiner Außenwirkung auf das christliche europäische Mittelalter enorm eindrucksvolle Aspekt der Wikinger im eigentlichen Wortsinne rechtfertigt es, diese Epoche als Wikingerzeit zu bezeichnen. Die kollektive Benennung der frühmittelalterlichen Einwohner Nordeuropas als Wikinger stellt jedoch eine Verallgemeinerung dar. Zum einen umfasst dieser Begriff in seiner engeren Bedeutung nicht die Frauen in der Wikingerzeit, auch wenn diese an den Expeditionen in neue Siedlungsgebiete und mitunter auch an Handelsfahrten teilnahmen. Zum anderen handelte es sich auch beim Großteil der männlichen Bevölkerung nicht um echte »Wikinger«, sondern um Bauern, Fischer oder Handwerker. Darüber hinaus suggeriert diese Sammelbezeichnung, dass es sich bei »den« Wikingern um ein einheitliches Volk gehandelt habe, ebenso wie »die« Römer. Die Einwohner Skandinaviens sahen sich jedoch als Angehörige einzelner Volksstämme oder lokaler Reiche und Kleinkönigtümer.

Trotz dieser eigentlich ungenauen und irreführenden Bedeutung von »Wikinger« hat sich diese Bezeichnung – auch in Ermangelung einer Alternative – für die Menschen, die Gesellschaft und die Kultur Nordeuropas zwischen dem achten und dem elften Jahrhundert durchgesetzt. »Die« Wikinger sind omnipräsent in der modernen populären Kultur, und die meisten Menschen haben eine mehr oder weniger genaue Vorstellung davon, wer die Wikinger gewesen sind. Ihr Name und sämtliche damit verbundenen Assoziationen haben sich so festgesetzt, dass alle Versuche, die griffige Marke durch einen in allen Aspekten wissenschaftlich korrekten, aber vermutlich sperrigen Begriff zu ersetzen, von vornherein zum Scheitern verurteilt wären.

Die wikingerzeitliche Welt

Der Aktionsradius der Wikinger erstreckte sich fast über die gesamte damals bekannte nördliche Hemisphäre. Archäologische Funde belegen, dass bereits vor der Wikingerzeit regelmäßige und intensive Handelskontakte zwischen Skandinavien und Zentraleuropa existierten, aber mit den Expansionsbewegungen der Wikinger etablierten sich weitverzweigte Handelsnetzwerke, die bis in die arabische Welt reichten.

Diese für mittelalterliche Verhältnisse enorme Mobilität, die Abenteuerlust und Neugier, welche – ermöglicht durch einzigartige Innovationen in der Schiffsbautechnik und seefahrerisches Können – die Wikinger zu global players ihrer Zeit machten, sind sicherlich mit verantwortlich für die Faszination, die auch (oder vielleicht gerade) in der modernen, schnelllebigen und digital wie verkehrstechnisch eng vernetzten Welt von den Wikingern ausgeht.

Kulturelle Kontakte

Die immer mit den Wikingern verbundenen Raubzüge, das Plündern von Dörfern, Handelsplätzen und Klöstern und das scheinbar wahllose Töten, Vergewaltigen und Versklaven der Bevölkerung vor Ort stellen ohne jeden Zweifel eine Facette der Wikingerzeit dar. Die Wikinger waren aber weit mehr als nur gewalttätige Barbaren: Sie waren ebenso Entdecker und Kolonisten, Händler und Söldner, die auf ihren Reisen mit einer Vielzahl von Völkern und Kulturen in Kontakt kamen; mit den Inuit im äußersten Westen, der keltischen Bevölkerung und den Angelsachsen auf den Britischen Inseln, den Franken, Sachsen und Friesen an den Küsten der Nordsee, den Westslawen an der Ostseeküste und den Esten und Balten im Ostbaltikum, den Finnen, Ostslawen und Turkvölkern der osteuropäischen Wälder und Steppen und nicht zuletzt mit dem Byzantinischen Reich und der arabischen Welt auf der Iberischen Halbinsel und im Nahen Osten.

Diese teilweise friedlichen Kontakte prägten dabei die Kultur der Wikinger in ihrer nordischen Heimat maßgeblich. Technische Innovationen und neue Handwerkstechniken, Rohmaterial und exotische Luxusgüter wurden importiert, ebenso wie neue Glaubensvorstellungen, kulturelle Konzepte, Mode, höfische Sitten und Kunstvorstellungen. Aus dem südlich gelegenen Frankenreich bezogen die Wikinger nicht nur qualitativ hochwertige Schwertklingen, sondern auch Wein und Glasbecher aus dem Rheinland, und in den großen Hallen im Norden galt es als chic, wenn bei Festen mit Wein aus dünnen Glasbechern die höfischen Trinksitten des Karolingerreichs imitiert wurden. Die Begeisterung der Wikinger für Wein lässt sich an den Funden von rheinischen Weinfässern beispielsweise in Haithabu fassen. Noch deutlicher wird der fränkische Chronist Regino von Prüm, der für das Jahr 885 von einer bemerkenswerten Bitte des dänischen Wikingerhäuptlings Godefrid berichtet. Dieser war kurz zuvor mit Friesland als Lehen bedacht worden, bat nun jedoch bei Kaiser Karl III. darum, stattdessen doch Sinzig, Andernach und Koblenz am Mittelrhein als Lehen zu erhalten, da in Friesland kein Weinanbau möglich sei. Seine Begründung wirkt überraschend, ging es ihm doch nicht um eine militärisch vorteilhaftere Position oder besseren Anschluss an Handelsrouten. Godefrid wollte in erster Linie direkten Zugriff auf das im Norden so beliebte und luxuriöse Getränk haben. Aus dem Byzantinischen Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel wurden wiederum kostbare Seidenstoffe importiert, und die herrschende Elite der Wikinger kleidete sich in bunt gefärbte Gewänder mit Stickereien und Seidenbesatz. Prunkvolle Kleidung aus dem Süden war ebenso ein Statussymbol wie eine gute Bewaffnung oder exotische Kuriosa und reiternomadische Kriegerausrüstungen aus den osteuropäischen Steppen – aufwendig beschlagene Gürtel, geknöpfte Kaftane, Säbel, Lamellenpanzer und Kompositbögen wurden zum Charakteristikum einer neuen, elitären Kriegerkaste.

Die gewaltige Expansion der Wikinger hatte enorme Auswirkungen auf die von ihnen besiedelten, eroberten oder geplünderten Länder und veränderte den Lauf der Geschichte für immer. Gleichzeitig beeinflussten die Kontakte auch die Kultur der Wikinger in Skandinavien und ihre Identität. Mit dem Kontakt zum mittelalterlichen Europa gelangte auch das Christentum in den Norden. Anders, als es oftmals in populären Darstellungen suggeriert wird, war die Wikingerzeit mitnichten eine durchgängig heidnische Epoche, die mit der Christianisierung der Wikinger endete, sondern eine sogenannte Transitionsphase, die bereits geprägt war vom Einfluss des Christentums.

Mit dem Christentum und der Etablierung von Kirchen und Klöstern kamen auch Literarizität und Geschichtsschreibung in den Norden. Die Christianisierung Skandinaviens und die Entstehung der mittelalterlichen Königreiche von Dänemark, Schweden und Norwegen im Lauf des elften Jahrhunderts stellen das Ende der klassischen Wikingerzeit dar. Aus den ländlichen Stammesgesellschaften waren überregionale Königreiche geworden. Deren Herrscher orientierten sich zunehmend an den mächtigen Nachbarn des fränkischen und später ottonischen Kaiserreichs im Süden und waren gegen Ende der Wikingerzeit gänzlich in das Mächtesystem des europäischen christlichen Mittelalters eingebunden. (Bildteil, Abb. 1) Das Christentum verdrängte die heidnische Kultur der Wikingerzeit, und skandinavische Herrscher wie der norwegische König Sigurd I., genannt der Jerusalemfahrer (Sigurðr Jórsalafari), nahmen an den Kreuzzügen teil. Aus den plündernden heidnischen Wikingerhäuptlingen waren christliche europäische Könige geworden. Skandinavien war nun Teil der europäischen christlichen Zivilisation.

1.2 Neue Forschung gegen alte Quellen

Jörn Staecker, Matthias Toplak

Woran genau lässt sich diese Epoche der »Wikingerzeit« festmachen? In jeder populären Darstellung ist diese Frage einfach beantwortet. Und das überraschend präzise und manchmal sogar auf den Tag genau. Sie beginnt im Jahr 793 und endet kaum mehr als 250 Jahre später im Jahr 1066. Dafür werden zwei Ereignisse als Fixpunkte gewählt.

Lindisfarne und Stamford Bridge – eine historische Datierung

Der Überfall auf das Kloster Lindisfarne vor der englischen Küste von Northumberland am 8. Juni 793 setzt als einer der ersten überlieferten und anscheinend eindrücklichsten frühen Kontakte der christlichen Welt mit den skandinavischen Seeräubern in nahezu allen Publikationen zu diesem Thema das Fanal für die Wikingerzeit.

Als Endpunkt dient üblicherweise die Schlacht von Stamford Bridge am 25. September 1066, in der die letzten Ansprüche eines skandinavischen Herrschers, des norwegischen Königs Harald III. dem Harten (Haraldr Sigurðarson harðráði), auf die englische Krone zurückgeschlagen wurden. Der Hintergrund dieser für die Wikingerzeit so bedeutsam wirkenden Schlacht von Stamford Bridge ist komplex: Die Britischen Inseln waren seit dem Auftakt der Wikingerzeit Ende des achten Jahrhunderts im Fokus der Wikinger, anfangs als Ziel von Raubzügen, ab der Mitte des neunten Jahrhunderts auch als neues Siedlungsgebiet. Anfang des elften Jahrhunderts war England infolge der Eroberung durch den dänischen König Sven Gabelbart (Sveinn tjúguskegg Haraldsson) 1013 Teil eines nordischen Großreichs – des Anglo-Skandinavischen Reichs – geworden. Dieses Reich umfasste England, Dänemark, Norwegen und das südliche Schweden und war nach Svens frühem Tod im folgenden Jahr unter der Regentschaft von dessen Sohn Knut dem Großen (Knútr inn ríki) das größte jemals von einem skandinavischen König beherrschte Gebiet. Mitte des elften Jahrhunderts starb die Linie der nordischen Herrscher auf dem englischen Thron aus, und es kam zu einem Krieg um die englische Krone. In Norwegen sah König Harald III. aufgrund seiner – allerdings ziemlich entfernten – Verwandtschaft mit Knut dem Großen seine Chance gekommen. Südlich des Ärmelkanals war es der normannische Herzog Wilhelm, Urururenkel des dänischen Wikingers Rollo, der Anspruch auf den englischen Thron erhob. Er hatte die Normandie als Lehen erhalten, und ihm soll der letzte englische König Eduard die englische Krone versprochen haben, sollte er kinderlos sterben. Es war jedoch nicht Wilhelm, der vom englischen Adel die Krone angetragen bekam, sondern ein weiterer Angelsachse, Harald Godwinson. Während Wilhelm in der Normandie sein Heer für eine Invasion sammelte, reagierte der norwegische König Harald III. zuerst und attackierte seinen Namensvetter im Norden Englands. Doch nach einem enormen Gewaltmarsch in den Norden stellte Harald Godwinson das norwegische Heer der Wikinger bei Stamford Bridge nahe der Stadt York Ende September 1066.

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Table of Contents

Über das Buch/ Über die Herausgeber,
Titel,
Impressum,
Widmung,
Vorwort,
Einführung: Faszination Wikinger,
Kapitel 1: Die Wikingerzeitaus archäologischer Sicht,
Kapitel 2: Heimat Nordland,
Kapitel 3: Mächtige Frauen undversklavte Männer,
Kapitel 4: Handel und Expansion,
Kapitel 5: Der Weg in den Osten,
Kapitel 6: Religion und Mythologie,
Bildteil,
Epilog: Retrotopia. Die Wikingerzeit als Sehnsuchtsort,
Dank,
Anhang,
Glossar,
Über die Autorinnen und Autoren,
Literatur,
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