Gehetzt: Actionthriller

Gehetzt: Actionthriller

by Dean Koontz

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Overview

Die allseits beliebte Lehrerin Cora Gundersun beendet ihr Leben und das vieler Unschuldiger in einem riesigen Feuerball. Als später nach Hinweisen für ihre Tat gesucht wird, findet man ein Tagebuch, das nur den Schluss zulässt, dass die Täterin geisteskrank war. Jane Hawk weiß es besser - hat sich ihr Mann doch ebenfalls aus heiterem Himmel das Leben genommen. Auf ihrer Suche nach Antworten hat sie eine Verschwörung bis in höchste Regierungskreise entdeckt - und jagt nun deren Hintermänner. Mittlerweile ist die FBI-Agentin die meistgesuchte Person der USA. Doch ihre mächtigen Gegner haben nicht damit gerechnet, dass Jane bereit ist, alles zu riskieren, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. »So gut Suizid war, dieses Buch ist noch besser.« Booklist »Ein vielschichtiger Thriller, bei dem die Charaktere den Ton angeben und der fast unmöglich wegzulegen ist.« Bookreporter

Product Details

ISBN-13: 9783959678018
Publisher: HarperCollins Publishers
Publication date: 02/01/2019
Series: Jane Hawk Series , #2
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 544
Sales rank: 695,503
File size: 4 MB

About the Author

Dean Koontz ist in Pennsylvania geboren und aufgewachsen. Er begann parallel zu seiner Tätigkeit als Lehrer zu schreiben. Seine Frau Gerda erkannte schnell sein Talent und unterstützte ihn in den folgenden Jahren finanziell, sodass er sich voll auf seine Karriere als Schriftsteller konzentrieren konnte. Inzwischen wurden seine Werke in 38 Sprachen übersetzt und mehr als 450 Millionen Mal verkauft. Dean lebt mit Gerda und ihrem Golden Retriever Elsa in Südkalifornien.

Hometown:

Newport Beach, California

Date of Birth:

July 9, 1945

Place of Birth:

Everett, Pennsylvania

Education:

B.S. (major in English), Shippensburg University, 1966

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Cora Gundersun schritt durch hoch aufloderndes Feuer, ohne zu verbrennen, und auch ihr weißes Kleid ging nicht in Flammen auf. Sie war nicht ängstlich, sondern im Gegenteil beschwingt, und die vielen Menschen, die dieses Schauspiel bewunderten, starrten sie an, während der Feuerschein auf ihren erstaunten Gesichtern flackerte. Sie riefen ihren Namen, aber nicht besorgt, sondern staunend, mit einem Unterton von Verehrung in ihren Stimmen, sodass Cora zu gleichen Teilen Entzücken und Demut darüber empfand, dass sie unverwundbar gemacht worden war.

Dixie, ihr gescheckter Langhaardackel, weckte Cora, indem er ihre Hand leckte. Die Hündin hatte keinen Respekt vor Träumen, nicht einmal vor diesem, den ihr Frauchen drei Nächte nacheinander genossen und Dixie in lebhaftesten Farben geschildert hatte. Der Tag war angebrochen, es wurde Zeit für Frühstück und Morgentoilette, die Dixie wichtiger waren als jeder Traum.

Cora war vierzig Jahre alt und agil wie ein Vogel. Während die kurzbeinige Hündin die Trittleiter am Bett hinuntertappte, sprang Cora auf, um sich dem Tag zu stellen. Sie schlüpfte in die knöchelhohen Pelzstiefel, die ihr im Winter als Hausschuhe dienten, und folgte dem watschelnden Dackel im Schlafanzug durchs Haus.

Kurz bevor sie die Küche betrat, glaubte sie plötzlich zu wissen, am Küchentisch würde ein fremder Mann sitzen – und etwas Schreckliches würde passieren.

Natürlich wartete dort niemand auf sie. Cora war eigentlich nie ängstlich gewesen. Sie schalt sich jetzt selbst, weil sie sich von nichts, absolut nichts hatte ins Bockshorn jagen lassen.

Als sie ihrer Gefährtin frisches Wasser und Trockenfutter hinstellte, wischte der langhaarige goldene Dackelschwanz voller Vorfreude über den Fußboden.

Bis Cora die Kaffeemaschine gefüllt und eingeschaltet hatte, hatte Dixie aufgefressen. An der Hintertür stehend blaffte die Hündin jetzt einmal höflich.

Cora riss ihren Mantel vom Haken und schlüpfte hinein. »Mal sehen, ob du dich so schnell entleeren kannst, wie du dich vollschlägst. Draußen ist's höllisch kalt, meine Süße, also bitte nicht trödeln.«

Als sie aus der Wärme des Hauses auf die Veranda trat, bildete ihr Atem eine Dampfwolke, als werde ein Schwarm Geister, von dem sie lange besessen gewesen war, ausgetrieben. Sie blieb oben an der Treppe stehen, um für den Fall, dass sich hier noch ein übellauniger Waschbär nach seinem nächtlichen Beutezug herumtrieb, über die kostbare Dixie Belle zu wachen.

Seit gestern Morgen waren über dreißig Zentimeter spätwinterlicher Schnee gefallen. Weil es windstill war, trugen die Tannen noch immer Hermelin-Stolen auf allen Ästen. Cora hatte hinter dem Haus eine größere Fläche freigeschaufelt, damit Dixie nicht durch den tiefen Pulverschnee pflügen musste.

Dackel haben gute Nasen. Ohne sich darum zu kümmern, dass sie nicht trödeln sollte, lief Dixie Belle kreuz und quer über die geräumte Fläche, hatte die Nase am Boden und wollte wissen, welche Tiere hier nachts vorbeigekommen waren.

Mittwoch. Ein Schultag.

Obwohl Cora seit zwei Wochen nicht mehr unterrichtete, hatte sie noch immer das Gefühl, sich beeilen zu müssen, um nicht zu spät in die Schule zu kommen. Vor zwei Jahren war sie zu Minnesotas Lehrerin des Jahres gekürt worden. Die Kinder ihrer sechsten Klasse, die ihr sehr fehlten, liebte sie aufrichtig.

Plötzliche Migräneanfälle von fünf bis sechs Stunden Dauer, manchmal von üblem Gestank begleitet, den nur sie wahrnehmen konnte, hatten sie dienstunfähig gemacht. Die Medikamente gegen die Kopfschmerzen schienen allmählich anzuschlagen: Zolmitriptan und Soma, ein Muskelrelaxans. Cora war nie kränklich gewesen, und das zwangsweise Daheimbleiben langweilte sie.

Dixie Belle pinkelte endlich und hinterließ zwei kleine Würste, die Cora später mit einem Plastikbeutel einsammeln würde, wenn sie hart gefroren waren.

Als sie dem Dackel zurück ins Haus folgte, saß ein fremder Mann am Küchentisch und trank Kaffee, den er sich einfach selbst eingegossen hatte. Er trug eine Wollmütze. Den Reißverschluss seiner Fleecejacke hatte er geöffnet. Sein Gesicht war lang, seine Züge waren scharf, sein kalter blauer Blick direkt.

Bevor Cora erschrocken aufschreien oder flüchten konnte, sagte der Eindringling: »Spiel Manchurian mit mir.«

»Alles klar«, sagte sie, weil er plötzlich nicht mehr bedrohlich wirkte. Schließlich kannte sie ihn. Er war ein netter Mann. Er hatte sie letzte Woche mindestens zweimal besucht. Er war ein sehr netter Mann.

»Zieh deinen Mantel aus und häng ihn auf.«

Sie tat wie geheißen.

»Komm her, Cora. Setz dich.«

Sie zog einen Stuhl heraus, setzte sich an den Tisch.

Obwohl Dixie sonst jedermanns Freundin war, zog sie sich in eine Ecke zurück, um die Szene von dort aus mit einem hellblauen und einem braunen Auge wachsam zu beobachten.

»Hast du letzte Nacht geträumt?«, fragte der nette Mann.

»Ja.«

»Wieder den Feuertraum?«

»Ja.«

»War's ein guter Traum, Cora?«

Sie nickte lächelnd. »Er war wundervoll, ein wundervoller Gang durch beruhigendes Feuer, völlig ohne Angst.«

»Heute Nacht wirst du den Traum wieder haben«, sagte er.

Sie lächelte und klatschte zweimal in die Hände. »Oh, gut! Das ist ein entzückender Traum. Ähnlich wie einer, den ich als Mädchen manchmal hatte – der Traum, wie ein Vogel fliegen zu können. Fliegen, ohne Angst vor einem Absturz zu haben.«

»Morgen ist der große Tag, Cora.«

»Wirklich? Was passiert dann?«

»Das weißt du, wenn du morgen aufstehst. Ich komme nicht wieder her. Auch wenn diese Sache sehr wichtig ist, brauchst du niemanden, der dich an der Hand führt.«

Er trank seinen Kaffee aus und stellte den Becher vor sie hin, stand auf und schob seinen Stuhl unter den Tisch. »Auf Wiedersehen, du blöde, dürre Schlampe.«

»Tschüs«, sagte sie.

Eine blinkende Zickzacklinie aus winzigen Lichtern schob sich in ihr Blickfeld: die Aura einer heraufziehenden Migräne. Sie schloss die Augen, fürchtete die bevorstehenden Schmerzen. Aber die Aura zog vorbei. Die Kopfschmerzen blieben aus.

Als sie die Augen öffnete, stand ihr Becher mit einem kleinen Rest Kaffee vor ihr. Sie stand auf, um sich selbst nachzugießen.

CHAPTER 2

An einem Sonntagnachmittag im März hatte Jane Hawk – in Notwehr und großer Verzweiflung – einen guten Freund und Mentor erschossen.

Drei Tage später, an einem Mittwoch, als der Nachthimmel mit Sternen wie Brillanten besetzt war, die nicht einmal der Widerschein des Lichtermeers im San Gabriel Valley nordöstlich von Los Angeles ganz überstrahlen konnte, kam sie zu Fuß zu einem Haus, das sie zuvor vom Auto aus beobachtet hatte. Sie hatte eine große Tragetasche mit belastendem Inhalt bei sich. In dem Schulterholster unter ihrem Blazer steckte eine gestohlene Pistole, eine Colt .45 ACP, die einer der besten Büchsenmacher Amerikas generalüberholt und optimiert hatte.

Das Villenviertel war in diesen chaotischen Zeiten ruhig, in diesen lärmenden Zeiten still. Kalifornische Pfefferbäume flüsterten, und Palmwedel raschelten leise in einer nach Jasmin duftenden Brise. Hinein mischte sich jedoch auch süßlicher Verwesungsgeruch, der aus den Gullys aufstieg, vielleicht von den Kadavern vergifteter Eichhörnchen, die aus der Sonne geflüchtet waren, um im Dunkel zu sterben.

Ein Zu-verkaufen-Schild im Vorgarten des Hauses, das ihr Ziel war, der Schlüsselsafe eines Immobilienmaklers an der Klinke der Haustür und zugezogene Vorhänge ließen darauf schließen, dass das Haus unbewohnt war. Die Alarmanlage würde höchstwahrscheinlich außer Betrieb sein, weil es in einem leeren Haus nichts zu stehlen gab – und sie es komplizierter gemacht hätte, potenziellen Käufern das Objekt zu zeigen.

Die Terrasse hinter dem Haus war unmöbliert. Das schwach nach Chlor riechende pechschwarze Wasser im Swimmingpool war leicht bewegt, spiegelte den abnehmenden Mond.

Eine verputzte Mauer und Lorbeer-Feigen schirmten die Rückseite des Hauses gegen die Nachbarn ab. Selbst tagsüber wäre sie hier nicht gesehen worden.

Mit einem schwarz gekauften Entsperrgerät der Marke LockAid, das nur die Polizei verwenden durfte, überlistete Jane das Sicherheitsschloss der Hintertür. Sie verstaute das Gerät wieder in ihrer Tragetasche, öffnete die Tür und horchte in die unbeleuchtete Küche hinein.

Als sie davon überzeugt war, die Situation im Haus richtig eingeschätzt zu haben, schloss sie die Tür hinter sich und ließ den Riegel einschnappen. Aus der Tragetasche angelte sie eine LED-Taschenlampe mit zwei Helligkeitsstufen, wählte die schwächere aus und ließ den Lichtstrahl über eine stylische Küche mit glänzend weißen Fronten, Arbeitsplatten aus schwarzem Granit und Edelstahlarmaturen gleiten. Kochutensilien waren nirgends zu sehen. Auf den Regalen der wenigen Hängeschränke mit Glasböden wartete kein Designerporzellan darauf, bewundert zu werden.

Sie durchquerte weitläufige Räume, die dunkel wie geschlossene Särge und bar jeglicher Möbel waren. Obwohl alle Vorhänge zugezogen waren, benutzte sie nur das schwache Licht und ließ es auf den Fußboden gerichtet.

Auf der Treppe blieb sie dicht an der Wand, wo die Stufen weniger leicht knarren würden, aber sie wurde auf ihrem Weg nach oben trotzdem angekündigt.

Obwohl sie zur Straßenfront des Hauses wollte, suchte sie das ganze Obergeschoss ab, um sich zu vergewissern, dass sie allein war. Dies war ein Luxushaus – alle Schlafzimmer mit eigenem Bad – für die obere Mittelschicht in angesagter Wohnlage, aber die Kühle in seinen leeren Räumen weckte in Jane eine Ahnung vom Niedergang der Vorstädte und gesellschaftlichem Verfall.

Aber vielleicht wurden diese Befürchtungen doch nicht von den dunklen, kalten Räumen genährt. Tatsächlich wurde sie seit fast einer Woche von finsteren Vorahnungen heimgesucht, seit sie wusste, welche Pläne einige der mächtigsten Leute in dieser neuen Welt voller technologischer Wunder für ihre Mitbürger hatten.

Sie stellte ihre Tragetasche am Fenster eines zur Straße hinausführenden Schlafzimmers ab und öffnete den Vorhang einen Spalt weit. Sie studierte nicht das Haus direkt gegenüber, sondern das Nachbarhaus, ein schönes Beispiel für ein Wohnhaus im Craftsman-Stil.

Dort drüben wohnte Lawrence Hannafin, seit März letzten Jahres verwitwet. Seine Ehe war kinderlos geblieben. Obwohl Hannafin erst achtundvierzig war – zwanzig Jahre älter als Jane –, war er vermutlich allein zu Hause.

Sie wusste nicht, ob er sich als potenzieller Verbündeter erweisen würde. Wahrscheinlicher war, dass er ein Feigling ohne Überzeugungen war, der vor der Herausforderung zurückschrecken würde, mit der sie ihn konfrontieren wollte. Heutzutage war Feigheit die Standardeinstellung.

Sie hoffte, dass Hannafin nicht ihr Feind werden würde.

Als FBI-Agentin hatte sie sieben Jahre lang zur Critical Incident Response Group gehört, die vor allem für die Analystengruppen 3 und 4 ermittelte, die für Verhaltensanalysen von Massenmördern und Serienkillern zuständig waren. In dieser Eigenschaft hatte sie nur zweimal tödliche Schüsse abgegeben – in verzweifelter Lage auf einer abgelegenen Farm. Vom Bureau beurlaubt, hatte sie in der vergangenen Woche drei Männer in Notwehr erschossen. Sie galt jetzt als Abtrünnige und hatte vom Töten genug.

Besaß Lawrence Hannafin nicht den Mut und die Integrität, die sein Ruf suggerierte, hoffte Jane zumindest, dass er sie nur abweisen würde, ohne zu versuchen, sie der Justiz zu überstellen. Für sie würde es keine Gerechtigkeit geben. Keinen Strafverteidiger. Keine öffentliche Verhandlung. Bedachte man, was sie über bestimmte mächtige Leute wusste, konnte sie bestenfalls auf eine Kugel in den Kopf hoffen. Sie besaßen die Mittel, ihr etwas weit Schlimmeres anzutun: Sie konnten sie brechen, alle ihre Erinnerungen löschen, ihr den freien Willen rauben und sie zu einer gefügigen Sklavin machen.

CHAPTER 3

Jane zog ihren Blazer aus, legte das Schulterholster ab und schlief – nicht sehr gut – auf dem Teppichboden mit ihrer Pistole in Reichweite. Als Kissen benutzte sie ein Fensterpolster, aber sie hatte nichts, was ihr als Bettdecke hätte dienen können.

Die Welt ihrer Träume war ein Reich schwankender Schatten in silbrig-blauem Dämmerlicht ohne bestimmten Ursprung, durch das sie vor böswilligen Gestalten flüchtete, die einst Menschen wie sie gewesen waren, nun aber unermüdlich wie für die Jagd programmierte Roboter waren, deren Blick bar jeglicher Gefühle war.

Der Wecker ihrer Armbanduhr weckte sie eine Stunde vor Tagesanbruch.

Zu ihren wenigen Toilettenartikeln gehörten Zahnbürste und Zahnpasta. In einem der Bäder, mit der gedimmten Taschenlampe in einer Ecke auf dem Fußboden, ihr Gesicht im halbdunklen Spiegel ein Gespenst mit tief in den Höhlen liegenden Augen, schrubbte sie den Geschmack von Traumängsten weg.

Im Schlafzimmer zog sie den Vorhang einen Spalt weit auf und beobachtete Hannafins Haus durch ein lichtstarkes kleines Fernglas, wobei ihr Pfefferminzatem die Fensterscheibe kurz anlaufen ließ.

Wie auf Facebook nachzulesen war, joggte Lawrence Hannafin jeden Morgen bei Tagesanbruch eine Stunde lang. In einem Zimmer im ersten Stock wurde Licht gemacht, und wenige Minuten später erhellte ein sanfter Lichtschein die Diele im Erdgeschoss. Als das erste Licht des kommenden Tages den Himmel im Osten rosig färbte, trat Hannafin in T-Shirt, Shorts, Laufschuhen und Stirnband aus der Haustür. Durch ihr Fernglas beobachtete Jane, wie er die Haustür absperrte und den Schlüssel in eine Reißverschlusstasche seiner Shorts steckte.

Am Vortag hatte sie ihn vom Auto aus beobachtet. Er war drei Blocks weit nach Süden gelaufen und war dann nach Osten in ein Gebiet mit Ranchhäusern abgebogen, um Reitwegen über die unbebauten grünen Hügel mit niedrigem Buschwerk zu folgen. Er war siebenundsechzig Minuten fort gewesen. Jane würde nur einen Bruchteil dieser Zeit brauchen, um zu tun, was getan werden musste.

CHAPTER 4

Ein weiterer Wintermorgen in Minnesota. Eine geschlossene graue Wolkendecke wie aus schmutzigem Eis. Einzelne Schneeflocken in der stillen Luft, als entschlüpften sie den zusammengebissenen Zähnen eines widerstrebenden Sturms.

In Schlafanzug und knöchelhohen Pelzstiefeln bereitete Cora Gundersun ihr Frühstück zu: Toast mit Butter und etwas geriebenem Parmesan, Rühreier und Nueske's Bacon, dem besten Frühstücksspeck der Welt, der in dünnen gebratenen Scheiben knusprig und aromatisch war.

Am Küchentisch las sie die Zeitung, während sie aß. Ab und zu brach sie ein kleines Stück Bacon für Dixie Belle ab, die geduldig neben ihrem Stuhl wartete und jeden Leckerbissen entzückt und dankbar winselnd in Empfang nahm.

Cora hatte wieder geträumt, sie schreite unversehrt durch hoch lodernde Flammen, während die Leute ihre Unverwundbarkeit bestaunten. Dieser Traum war erhebend, und sie fühlte sich gereinigt, als seien die Flammen das liebevolle Feuer Gottes gewesen.

Sie war über achtundvierzig Stunden lang von Migräne verschont geblieben, was die längste beschwerdefreie Zeit seit dem Einsetzen der Kopfschmerzen war. Sie wagte zu hoffen, ihr unerklärliches Leiden könnte beendet sein.

Weil ihr noch mehrere Stunden blieben, bevor sie duschen und sich anziehen und in die Stadt fahren musste, um zu tun, was getan werden musste, schlug sie das Tagebuch auf, das sie seit einigen Wochen führte. Ihre Handschrift war fast so ebenmäßig wie die einer Schreibmaschine, und der Text füllte eine Zeile nach der anderen.

Nach einer Stunde legte sie den Füller weg, klappte das Tagebuch zu und briet sich noch eine Portion Nueske's Bacon – nur für den Fall, dass sie vielleicht nie mehr welchen bekommen würde. Ein seltsamer Gedanke! Nueske produzierte seit Jahrzehnten erstklassigen Bacon, und Cora hatte keinen Grund zu der Annahme, die Firma stehe vor der Pleite. Der Wirtschaft ging es schlecht, gewiss, und viele Unternehmen mussten zumachen, aber Nueske würde ewig fortbestehen. Trotzdem aß sie den Bacon mit Tomatenscheiben und Buttertoast und gab Dixie Belle wieder etwas davon ab.

FÜNF Um zu Hannafins Haus zu gelangen, überquerte Jane die Straße nicht auf dem kürzesten Weg. Mit ihrer Tragetasche über der Schulter ging sie bis zum Ende des Blocks und noch einen halben Block weiter, bevor sie die Fahrbahn überquerte und sich dem Haus von Norden her näherte. So verringerte sich die Gefahr, dass jemand lange genug aus einem Fenster sah, um beobachten zu können, woher sie kam und wohin sie ging, ganz entscheidend.

Vor dem Haus im Craftsman-Stil führten mit Klinkersteinen eingefasste Steinstufen zu einem weit ausladenden Vordach, zu dem auf beiden Seiten früh blühende rote Glyzinien an Rankgittern hinaufwucherten, in deren Schutz man ungesehen eindringen konnte.

Sie klingelte dreimal. Keine Reaktion.

Sie führte den dünnen, flexiblen LockAid-Dietrich in das Sicherheitsschloss ein und betätigte viermal den Abzug, bis alle Stifte hochgedrückt waren.

(Continues…)


Excerpted from "Gehetzt"
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