Liebe und andere Köstlichkeiten

Liebe und andere Köstlichkeiten

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Overview

Nora Roberts Ein Kuss zum Dessert Die süße Dessertköchin June ist genau die Richtige für Hotelier Blake. Er würde ihr gerne nicht nur beruflich näherkommen. June zeigt ihm jedoch die kalte Schulter. Wird Blake ein Geheimrezept finden, um sie zu überzeugen? Theresa Hill Zuckersüße Zärtlichkeiten Als der attraktive Tate ihre Küche betritt, bekommt Köchin Amy sofort weiche Knie. Es prickelt gewaltig zwischen ihnen. Was Amy nicht ahnt: Er ist ihr neuer Auftraggeber - und sie soll seine Hochzeit ausrichten! Kate Carlisle Verführerische Julia Wahre Gefühle? Das ist nichts für Cameron Duke. Bis seine Affäre, die schöne Bäckerin Julia, plötzlich ein Kind von ihm erwartet. Er will für seinen Sohn da sein und nimmt sie zur Frau. Kann aus der Zweckehe Liebe werden?

Product Details

ISBN-13: 9783955768720
Publisher: MIRA Taschenbuch
Publication date: 03/01/2019
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 528
File size: 2 MB

About the Author

Die preisgekrönte Schriftstellerin sitzt jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch. Inzwischen hat sie über 215 Romane geschrieben, die weltweit regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen. Vom New Yorker wurde sie zu "Amerikas Lieblingsautorin" ernannt. Auch in Deutschland erfreut sich Nora Roberts einer großen Fangemeinde.

Hometown:

Keedysville, Maryland

Date of Birth:

1950

Place of Birth:

Silver Spring, Maryland

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Ihr Name war June. Es war ein Name, bei dem man an Blumen dachte, an plötzliche Gewitter und lange, ruhelose Nächte im Sommer. Er weckte auch Erinnerungen an sonnenbeschienene Wiesen und an ein Plätzchen im Schatten. Ja, der Name passte zu ihr.

Während sie jetzt dort stand, die Hände in die Hüften gestützt, aufmerksam und angespannt, war in dem Raum kein einziges Geräusch zu hören. Niemand ließ sie aus den Augen, denn niemand wollte sich eine einzige Geste von ihr, eine Bewegung entgehen lassen. Die ganze Aufmerksamkeit war nur auf sie gerichtet. Musik von Chopin erfüllte den Raum, das Licht spielte auf ihrem adrett hochgesteckten Haar und ließ es aufleuchten, ein warmes Braun mit goldenen Lichtern. Smaragdohrringe blitzten an ihren Ohren.

Die hohen Wangenknochen gaben ihrem fein geschnittenen Gesicht ein aristokratisches Aussehen, ihre dunkelbraunen Augen mit den bernsteinfarbenen Flecken blickten konzentriert, die vollen, sinnlichen Lippen hatte sie ein wenig schmollend verzogen.

Sie war ganz in Weiß gekleidet, und sie zog alle Blicke auf sich wie ein Schmetterling im hellen Sonnenlicht. Obwohl sie kein Wort sprach, lauschten doch alle auf das kleinste Geräusch.

June hätte genauso gut allein sein können, so wenig Aufmerksamkeit schenkte sie den Menschen um sich herum. Für sie gab es nur ein Ziel: Perfektion. Mit weniger gab sie sich nie zufrieden.

Vorsichtig hob sie die letzte Blüte der Engelwurz und drückte sie auf den Savarin. Die Stunden, die sie gebraucht hatte, dieses Kunstwerk zu backen, waren vergessen, und auch die Hitze, ihre müden Beine sowie die schmerzenden Arme. Der Abschluss einer Kreation von June Lyndon war äußerst wichtig. Ja, es würde perfekt schmecken, perfekt riechen, sich sogar perfekt schneiden lassen. Aber wenn es nicht auch perfekt aussah, war all das andere nicht wichtig.

Mit der Vorsicht eines Künstlers, der ein Meisterwerk vollendet, hob sie den Pinsel und gab den Früchten und Mandeln einen leichten Überzug aus Apricot.

Noch immer sprach niemand.

Ohne die Hilfe eines der Umstehenden zu erbitten, füllte June jetzt das Innere des Savarins mit einer gehaltvollen Creme, deren Rezept sie wie ein Geheimnis hütete.

Dann trat sie mit hocherhobenem Kopf einen Schritt zurück, um ihrer Schöpfung einen letzten, prüfenden Blick zuzuwerfen. Das war der letzte Test, denn ihr Auge war aufmerksamer und kritischer als das eines jeden anderen Menschen, wenn es um ihre eigene Arbeit ging. Sie verschränkte die Arme vor der Brust, ihr Gesicht war ausdruckslos. In der großen Küche hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so still war es.

Dann begannen ihre Augen zu glänzen, ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln. Erfolg. June hob einen Arm. »Bringt ihn weg«, befahl sie.

Während zwei ihrer Assistenten das glitzernde Gebilde aus dem Raum rollten, brach Applaus aus.

June akzeptierte den Applaus, weil sie davon überzeugt war, dass sie ihn verdiente. Ihr Savarin war prächtig, und das hatte der italienische Herzog für die Verlobung seiner Tochter so gewollt, dafür bezahlte er auch. June hatte lediglich ihre Arbeit getan.

»Mademoiselle.« Foulfount, der Franzose, dessen Spezialität Schellfisch war, fasste June an den Schultern, seine Augen leuchteten voller Bewunderung. »Incroyable.« Begeistert küsste er sie auf beide Wangen, und zum ersten Mal seit Stunden lachte June.

»Merci.« Jemand hatte eine Flasche Wein geöffnet, June nahm zwei Gläser und reichte eines davon dem Franzosen. »Auf unsere nächste Zusammenarbeit, mon ami.«

Sie trank das Glas leer, nahm ihre kecke Kochmütze ab und verließ dann die Küche. In dem riesigen Speisezimmer mit dem Marmorfußboden und den unzähligen Kerzen wurde gerade ihr Savarin serviert und bewundert. Der letzte Gedanke, ehe sie ging, war, dass Gott sei Dank jemand anders das Durcheinander aufräumen musste.

Zwei Stunden später hatte June die Schuhe ausgezogen und die Augen geschlossen. Ein gruseliger Kriminalroman lag auf ihrem Schoß, während ihr Flugzeug über den Atlantik flog. Sie war auf dem Weg nach Hause. Beinahe drei Tage war sie in Mailand gewesen, nur, um diesen einzigen Nachtisch zuzubereiten. Doch für June war das nicht ungewöhnlich. Sie hatte in Madrid »Charlotte Malakoff« gebacken, in Athen »Crêpes Fourées« flambiert und »Ile Flottante« in Istanbul zubereitet. Für ihre Spesen plus zusätzlich eines beachtlichen Lohns kreierte June Lyndon einen Nachtisch, der noch lange nach dem letzten Bissen in der Erinnerung derer bleiben würde, die ihn verspeist hatten.

Sie sah sich selbst als Spezialistin, ähnlich wie ein befähigter Chirurg. Und in der Tat hatte sie studiert, gelernt und praktiziert, beinahe genauso lange wie ein Mitglied einer medizinischen Fakultät. Fünf Jahre, nachdem sie in Paris, der Stadt, in der das Essen zur Kunst erhoben wurde, die hohen Anforderungen erfüllt hatte, die nötig waren, »Cordon-bleu-Chef« zu werden, hatte sie sich den Ruf erworben, so temperamentvoll zu sein wie ein Künstler, das Gedächtnis eines Computers zu haben, wenn es um Rezepte ging, und die Hände eines Engels bei deren Zubereitung.

June döste in ihrem Sitz in der ersten Klasse vor sich hin und sehnte sich nach einem simplen Stück Pizza. Sie wusste, der Flug würde viel schneller vergehen, wenn sie lesen oder schlafen würde. Sie entschied sich, beides zu tun, zuerst würde sie ein wenig schlafen, denn ihr Schlaf war ihr genauso heilig wie das Rezept für ihre »Mousse au Chocolat«.

Wenn sie erst einmal wieder in Philadelphia war, so erwartete sie dort ein echt hektischer Terminplan. Sie musste eine »Bombe« zubereiten für den Wohltätigkeitsball des Gouverneurs, dann erwarteten sie das Treffen der Gourmet-Gesellschaft, die Demonstration ihrer Kunst in einer Fernsehsendung ... und dann noch diese Besprechung, dachte sie benommen.

Was hatte diese Frau am Telefon gesagt? überlegte June. Drake – nein, Blake, Blake Cocharan der Dritte, von der Cocharan-Hotelkette. Großartige Hotels, dachte June. Sie hatte einige davon in unterschiedlichen Ländern besucht. Mr. Cocharan der Dritte hatte ihr einen geschäftlichen Vorschlag zu machen.

June nahm an, dass er von ihr einen besonderen Nachtisch zubereitet haben wollte, den er exklusiv in seinen Hotels anbieten wollte, etwas, das es nur in den Cocharan-Hotels gab. Sie war dem gar nicht abgeneigt – unter den entsprechenden Bedingungen. Und selbstverständlich gegen die entsprechende Bezahlung. Natürlich müsste sie sich zuerst das CocharanUnternehmen genauer ansehen, ehe sie sich einverstanden erklärte, ihren guten Namen mit dem Unternehmen in Verbindung zu bringen. Wenn auch nur eines der Hotels nicht ihrem Qualitätsstandard entsprach ...

Mit einem Gähnen entschied sich June, später darüber nachzudenken – nachdem sie sich mit »dem Dritten« persönlich getroffen hatte. Blake Cocharan der Dritte, dachte sie mit einem belustigten Lächeln. Rundlich, wahrscheinlich mit Glatze und auch mit Verdauungsschwierigkeiten. Sicher trug er italienische Schuhe, eine Schweizer Uhr, französische Hemden und fuhr einen deutschen Wagen – und ohne Zweifel betrachtete er sich als Amerikaner. Wieder gähnte June, dann seufzte sie, als sie erneut an die Pizza dachte. Sie lehnte den Kopf zurück, entschlossen zu schlafen.

Blake Cocharan der Dritte saß auf dem Rücksitz seiner metallicgrauen Limousine und ging noch einmal den Bericht des neuesten Cocharan-Hotels in Saint Croix durch. Er war ein Mann, der ein heilloses Durcheinander in kürzester Zeit in eine perfekte Ordnung bringen konnte, für ihn war Chaos nur eine Art von Ordnung, die mit Logik entwirrt werden musste. Und Blake war ein sehr logisch denkender Mensch. Für ihn leitete Punkt A unzweifelhaft zu Punkt B und dann zu Punkt C. Ganz egal, wie verwirrt etwas auch sein mochte, mit Logik und Geduld fand er immer einen Weg.

Nicht allein aufgrund dieses Talentes besaß Blake mit seinen fünfunddreißig Jahren absolute Kontrolle über das Cocharan-Imperium. Seinen Reichtum hatte er geerbt und dachte demzufolge auch kaum darüber nach. Seine Position in dem Imperium jedoch hatte er sich erarbeitet, und deshalb war sie für ihn von Bedeutung. Für die Cocharan-Hotels war nur das Beste gut genug, angefangen von der Bettwäsche bis hin zum Mörtel, mit dem die Häuser gebaut wurden.

Und der ihm vorliegende Bericht über June Lyndon sagte ihm, dass sie die Beste war.

Er legte die Papiere über das Hotel in Saint Croix zur Seite und zog eine andere Akte aus seinem Aktenkoffer.

June Lyndon, dachte er, als er die Akte öffnete, achtundzwanzig Jahre alt, studiert an der Sorbonne, Cordon-bleu-Chef. Ihr Vater war Rothschild Lyndon, Mitglied des Britischen Parlaments, ihre Mutter, Monique Dubois Lyndon, eine Französin, war früher Filmschauspielerin gewesen. Die Eltern hatten sich einvernehmlich getrennt und waren seit dreiundzwanzig Jahren geschieden. June Lyndon hatte in ihren frühen Lebensjahren zwischen London und Paris gelebt, bis ihre Mutter einen amerikanischen Geschäftsmann heiratete, der in Philadelphia lebte. Danach war June allerdings wieder nach Paris zurückgekehrt, hatte dort ihre Ausbildung abgeschlossen und lebte jetzt in Paris wie auch in Philadelphia. Ihre Mutter hatte seitdem noch ein drittes Mal geheiratet, einen Papierfabrikanten, ihr Vater hatte sich von seiner zweiten Frau, einer erfolgreichen Anwältin, getrennt.

Alle Nachforschungen Blakes hatten immer wieder zu dem gleichen Schluss geführt: June Lyndon war die beste DessertKöchin auf beiden Seiten des Atlantiks. Dazu war sie noch eine hervorragende Küchenchefin, die Wert auf Qualität legte, kreativ und besaß auch die Fähigkeit, in einer Krise zu improvisieren. Auf der anderen Seite sagte man von ihr, dass sie diktatorisch herrschte, temperamentvoll und verletzend ehrlich war. Doch diese Eigenschaften hatten ihr keine Nachteile gebracht.

Sie mochte zwar darauf bestehen, während ihrer Arbeit der Musik von Chopin zu lauschen oder sich weigern zu arbeiten, weil das Licht nicht richtig war, aber ihre Mousse allein genügte, um einen Mann dazu zu bringen, ihr jeden Wunsch zu erfüllen.

Blake war ein Mann, der nicht gern bat ... aber er wollte June Lyndon für sein Hotel haben. Und er zweifelte nicht daran, dass es ihm gelingen würde, ihre Zustimmung für genau das zu bekommen, was er sich vorgestellt hatte.

Eine tolle Frau, dachte er. Nicht vielen Frauen war es gelungen, das zu erreichen, was June erreicht hatte. Es gab viele Frauen, die Köchinnen waren, aber die Küchenchefs waren meistens Männer.

Er versuchte, sie sich vorzustellen. Wahrscheinlich war sie rundlich vom vielen Probieren. Starke Hände hatte sie sicher, und ihre Haut war blass und ein wenig teigig von der Arbeit in der Küche. Eine Frau, die wusste, was sie wollte, dessen war er sicher, kompromisslos, organisiert, logisch und kultiviert – vielleicht ein wenig schlicht, weil sie sich mit dem Kochen befasste und nicht mit Mode. Blake dachte, dass sie sicher sehr gut miteinander auskommen würden. Mit einem Blick auf seine Uhr stellte er fest, dass er pünktlich zu ihrer Verabredung sein würde.

»Es wird nicht länger als eine Stunde dauern«, erklärte er seinem Fahrer, als sie vor dem großen Haus anhielten.

Blake blickte zum vierten Stock des Hauses hinauf, die Fenster waren geöffnet, stellte er fest. Er hörte Musik aus den geöffneten Fenstern, konnte jedoch nicht erkennen, welche Musik es war. Als er das Haus betrat, sah er, dass der Aufzug gerade außer Betrieb war. Er musste also die vier Stockwerke zu Fuß hochgehen.

Nachdem er an der Tür geläutet hatte, wurde sie von einer zierlichen Frau in einer eng anliegenden schwarzen Jeans und einem T-Shirt geöffnet. Ob das das Hausmädchen ist, das heute seinen freien Tag hatte? fragte Blake sich. Aber sie sah nicht einmal kräftig genug aus, um den Boden schrubben zu können. Und wenn sie ausgehen wollte, so würde sie das sicher nicht ohne Schuhe tun, dachte er.

Nachdem er sie mit einem Blick von Kopf bis Fuß gemustert hatte, sah er wieder in ihr Gesicht. Es war ein klassisches Gesicht, ohne Make-up und zweifellos sehr sinnlich. Der Mund allein kann das Blut eines Mannes in Wallung bringen, stellte Blake bei sich fest.

»Mein Name ist Blake Cocharan, ich bin mit Miss Lyndon verabredet.«

June zog eine Augenbraue hoch – ein Zeichen der Überraschung, dann verzog sich ihr Mund zu einem Lächeln.

Er ist gar nicht rundlich, dachte sie. Er hatte einen schlanken, muskulösen Körper. Sportlich sah er aus. Offensichtlich beschäftigte er sich eher mit Sport als damit, geschäftliche Besprechungen bei einem gemeinsamen Essen zu erledigen. Auch kahlköpfig war er nicht, sondern er hatte dichtes, glänzendes schwarzes Haar, leicht gelockt umrahmte es ein sehr attraktives Gesicht. Über klaren wasserblauen Augen wölbten sich buschige Augenbrauen, sein Mund war ein wenig zu groß, aber die Lippen waren schön geschwungen und sinnlich. Seine Nase war gerade und gab seinem Gesicht einen leicht hochmütigen Ausdruck. Vielleicht hatte sie mit den Äußerlichkeiten recht gehabt – den italienischen Schuhen und all dem anderen –, aber June musste zugeben, dass sie sich ansonsten in dem Mann gründlich getäuscht hatte.

Es hatte nicht lange gedauert, ihn genauer zu betrachten, drei, vielleicht vier Sekunden, doch dann wurde ihr Lächeln noch intensiver. Blake konnte seinen Blick nicht von ihr losreißen. »Kommen Sie doch bitte rein, Mr. Cocharan.« June trat einen Schritt zurück und öffnete die Tür weiter. »Ich finde es sehr nett von Ihnen, dass Sie zugestimmt haben, sich hier mit mir zu treffen. Setzen Sie sich bitte, ich bin leider gerade in der Küche beschäftigt.«

Blake öffnete den Mund, dann schloss er ihn wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Er stellte seinen Aktenkoffer ab und sah sich um.

Die Einrichtung des großen Zimmers war eine Mischung europäischer Stile, die eigentlich nie zusammengepasst hätten, ihn aber dennoch anzogen. Der Tisch am anderen Ende war bedeckt mit Papieren und Notizzetteln, Geräusche von der Straße drangen durch die geöffneten Fenster, aus der Stereoanlage kam Musik von Chopin.

Diese Frau muss June Lyndon sein, dachte er plötzlich. Er war sicher, dass sonst niemand in der Wohnung war. Fasziniert von den Gerüchen und den Geräuschen aus der Küche, ging Blake durch den Raum zur Küche.

Sechs kleine Tortenböden standen auf der Anrichte, und June füllte sie gerade mit einer dicken weißen Creme. Als Blake in ihr Gesicht sah, erkannte er darin ihre Konzentration, die Ernsthaftigkeit, die einem Chirurgen zur Ehre gereicht hätte. Eigentlich hätte ihn das amüsieren müssen, stattdessen aber faszinierten ihn diese schlanken Hände, die zu der Musik ihre Arbeit verrichteten.

Sie holte etwas mit einer Gabel aus einer Pfanne – Blake nahm an, dass es erwärmtes Karamell war – und tropfte es über die Törtchen. Danach stellte sie jedes einzelne vorsichtig auf ein Tablett, das mit einem Spitzendeckchen aus Papier bedeckt war. Als alle auf dem Tablett standen, sah sie auf.

»Möchten Sie einen Kaffee?« Sie lächelte ihn an, und die Falte zwischen ihren Augenbrauen verschwand.

Blake sah auf die Törtchen auf dem Tablett. Ihre Taille könnte man mit beiden Händen umfassen, dachte er abwesend. »Ja, gern«, antwortete er auf ihre Frage.

»Bedienen Sie sich bitte.« Sie deutete auf die Kaffeemaschine. »Ich muss diese Törtchen nach nebenan bringen.« Noch ehe er etwas sagen konnte, war sie schon an ihm vorbeigegangen. »Oh, da sind auch noch ein paar Kekse. Ich bin gleich wieder da.«

Sie war verschwunden und die Törtchen mit ihr. Blake zuckte mit den Schultern, dann ging er in die Küche zurück, in der ein heilloses Durcheinander herrschte. June Lyndon war vielleicht eine großartige Köchin, aber offensichtlich nicht sehr ordentlich. Doch wenn das Aussehen und der Duft dieser Törtchen ein Anzeichen für ihr Können waren ...

Blake suchte im Schrank nach einer Kaffeetasse, dann konnte er der Versuchung nicht länger widerstehen. Mit einem Finger fuhr er über den Rand der Schüssel, in der die Creme gewesen war, und steckte dann den Finger in den Mund. Mit einem Seufzer schloss er die Augen, köstlich ... und sehr französisch.

Er hatte in den exklusivsten Restaurants gespeist, bei einigen der reichsten Leute überall in der Welt. Er konnte jedoch nicht behaupten, dass ihm je etwas besser geschmeckt hätte als das, was er gerade aus der Schüssel genascht hatte. June Lyndon hat recht daran getan, sich auf Nachspeisen zu spezialisieren, dachte er. Er bedauerte es, dass sie diese Törtchen weggebracht hatte. Und als er dann noch einmal im Schrank nachsah, fand er auch eine Keksdose.

Normalerweise hätten ihn Kekse überhaupt nicht interessiert, doch ihm lag noch immer der Geschmack der Creme auf der Zunge. Was für Kekse gab es wohl im Haushalt einer Frau, die in der Haute Cuisine nur das Feinste erschuf? Blake öffnete den Deckel der Dose und starrte dann verwundert auf die Kekse. Er nahm einen der Kekse in die Hand, dann lachte er laut auf und legte ihn in die Dose zurück. Und das von einer Frau, die für ihre Kreationen nur die erlesensten Zutaten benutzte?

Während seiner Laufbahn waren Blake schon alle möglichen Exzentriker begegnet, er hielt sich für einen sehr guten Menschenkenner. Und er hatte geglaubt, dass es nicht sehr lange dauern würde, bis er herausfand, was June Lyndon für ein Mensch war.

(Continues…)


Excerpted from "Liebe und andere Köstlichkeiten"
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