Rocket Boys - Roman einer Jugend

Rocket Boys - Roman einer Jugend

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Overview

Für die einen ist Sputnik nur ein heller Fleck am Himmel. Doch Sonny bedeutet er die Welt. In der tristen Bergarbeiterstadt Coalwood gibt es für ihn nur zwei Möglichkeiten: Entweder er erhält ein Football-Stipendium am College oder er fristet sein Dasein in der Kohlemine seines Vaters. Doch Sonny hat eine Mission: Er will eine Rakete bauen. Gemeinsam mit seinen Freunden wagt er es, seine Zukunft in neue Bahnen zu lenken. Gegen die Angst. Gegen den Willen seines unnahbaren Vaters. Und für die Hoffnungen einer ganzen Stadt. "Wundervoll" The Times "Durch und durch charmant" New York Times "Der Text ist voller Witz, voller Selbstironie, immer erfüllt von Lebensfreude und liebendem Ernst." Die Welt "Homer Hickam erzählt in diesem fantasievollen Roman seine eigene Entwicklung vom Buben zum Nasa-Ingenieur. Es ist der klassische US-Traum - allerdings amüsant, originell und anschaulich aufgeschrieben." Münchner Merkur

Product Details

ISBN-13: 9783959677264
Publisher: HarperCollins Publishers
Publication date: 11/13/2017
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 432
File size: 2 MB

About the Author

Homer Hickam (auch bekannt als Homer H. Hickam, der Jüngere) ist für seine unter dem Titel "Oktober Sky” verfilmte Autobiografie "Rocket Boys” mehrfach ausgezeichnet worden. Er selbst schreibt seit der Grundschulzeit, arbeitete in einer Kohlemine, kämpfte im Vietnam-Krieg, war Tauchlehrer, Paläontologe und NASA-Ingenieur. Er lebt wechselnd in Alabama und auf den Virgin Islands in der Karibik.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Coalwood

Bevor ich anfing, Raketen zu bauen und in die Luft zu schießen, wusste ich nicht, dass man sich in meiner Heimatstadt um die Zukunft der Kinder stritt und dass meine Eltern einen Kampf über die Frage ausfochten, wie mein Bruder und ich einmal leben sollten. Ich ahnte nicht, dass ein gerade eben von einem Mädchen gebrochenes Herz von einem anderen – zumindest im Geiste keuschen – Mädchen noch in derselben Nacht geheilt werden konnte. Und ich hatte überhaupt keine Ahnung davon, dass ein Rückgang der Enthalpie in einem konvergenten Durchlass in kinetische Antriebsenergie transformiert werden kann, wenn man einen weiteren divergenten Durchlass hinzufügt. Die anderen Jungs entdeckten ihre Wahrheiten, während wir unsere Raketen bauten, und ich entdeckte meine.

Die Stadt Coalwood in West Virginia, in der ich aufwuchs, war einzig und allein zu dem Zweck errichtet worden, die Millionen Tonnen fetter Steinkohle tief unter ihr abzubauen. 1957, als ich vierzehn war und an meinen ersten Raketen bastelte, lebten hier etwa zweitausend Menschen. Mein Vater, Homer Hickam, war der Zechenleiter, und unser Haus lag nur wenige hundert Meter vom Grubeneingang entfernt, einem siebenhundert Meter tiefen senkrechten Schacht. Von meinem Schlafzimmerfenster aus konnte ich den schwarzen Stahlturm sehen, der über dem Schacht stand, und das Kommen und Gehen der Männer beobachten, die ein- und ausfuhren.

Eisenbahnschienen führten zu einem weiteren Schacht, der zum Abtransport der Kohle diente. Die Konstruktion, mit der die Kohle an die Erdoberfläche gebracht, sortiert und verladen wurde, hieß "der Kipper". Von Montag bis Freitag, und in guten Zeiten sogar samstags, konnte ich die schwarzen Kohlenwaggons beobachten, die unter den Kipper rollten, um ihre gewaltige Ladung aufzunehmen. Anschließend zogen rauchspuckende Lokomotiven sie mühsam weg. Den ganzen Tag über donnerte das schwere Stampfen ihrer Dampfkolben durch unser enges Tal, und wenn die langen Züge Fahrt aufnahmen, erzitterte die Stadt unter dem Crescendo ihres knirschenden Stahls. Aus den offenen Waggons stiegen Wolken von Kohlenstaub auf, der überall eindrang, durch Fensterritzen sickerte und unter Türen hindurchkroch. Meine ganze Kindheit über war es das gleiche Bild: Wenn ich morgens meine Bettdecke anhob, konnte ich beobachten, wie ein schwarzes, glitzerndes Pulver von ihr herabrieselte. Und wenn ich abends meine Schuhe auszog, waren meine Socken immer schwarz vor Kohlenstaub.

Wie jedes Haus in Coalwood gehörte auch unseres der Gesellschaft; sie verlangte eine niedrige Monatsmiete, die automatisch vom Lohn der Arbeiter abgezogen wurde. Einige Häuser waren winzig; sie hatten nur ein Stockwerk und ein oder zwei Schlafzimmer. Es gab aber auch große, zweigeschossige Zweifamilienhäuser, die man in den blühenden zwanziger Jahren als Wohnheime für alleinstehende Bergleute gebaut hatte und die später, während der Depression, in Einfamilienwohnungen aufgeteilt wurden. Alle fünf Jahre ließ die Gesellschaft unsere Häuser im firmenüblichen Weiß streichen, das der umherwehende Kohlenstaub unmittelbar danach wieder grau färbte. So fühlte sich jede Familie – für gewöhnlich im Frühjahr – verpflichtet, ihr Haus von außen mit Hilfe von Schlauch und Bürsten abzuschrubben.

Zu jedem Haus in Coalwood gehörte ein abgezäuntes viereckiges Stück Garten. Meine Mutter, die ein größeres Stück ihr Eigen nannte als die meisten anderen, legte einen Rosengarten an. Sie schleppte auf ihren Schultern säckeweise Erde aus den Bergen heran, düngte, goss und beschnitt jeden Rosenbusch mit äußerster Sorgfalt. Im Frühling und Sommer wurde sie dafür mit Büschen voller großer, blutroter Blüten und zart rosafarbenen oder gelben Knospen belohnt – trotzige Farbflecken inmitten des dichten Grüns der großen Wälder, die unsere Stadt umgaben, und des düsteren Schwarz und Grau der Zeche weiter die Straße hinauf.

Unser Haus stand an einer Ecke, an der die Bundesstraße nach Osten in Richtung Zeche abbog. In entgegengesetzter Richtung führte eine von der Gesellschaft gepflasterte Straße ins Zentrum der Stadt. Die Main Street, wie wir sie nannten, verlief durch ein Tal, das an manchen Stellen so eng war, dass ein Junge mit etwas Geschick einen Stein von einer Talseite zur anderen werfen konnte. In den drei Jahren, bevor ich zur Highschool ging, stieg ich jeden Morgen auf mein Fahrrad, hängte mir eine große weiße Baumwolltasche über die Schulter und lieferte im ganzen Tal den ‚Bluefield Daily' aus. Ich strampelte an der Schule von Coalwood vorbei und an den Häusern, die in Reihen an einem kleinen Bach standen und sich bis an die Hänge der auf beiden Seiten des Tals aufragenden Berge erstreckten. Eineinhalb Kilometer die Main Street hinunter öffneten sich die Berge zu einer großen Talsenke, die sich am Zusammenfluss zweier Bäche gebildet hatte. Dort standen die Büros der Gesellschaft, die von der Gesellschaft gebaute Kirche, ein gesellschaftseigenes Hotel namens Club House, das Postamt, in dessen Gebäude zugleich der Arzt und der Zahnarzt der Gesellschaft ihre Praxis hatten, und der Laden der Gesellschaft, den alle nur Big Store nannten. Auf einem Hügel mit Blick über die Stadt thronte ein mit Türmchen verziertes Herrenhaus, in dem der Bergwerksdirektor der Gesellschaft wohnte – ein Mann, den unsere Eigentümer aus Ohio hierher geschickt hatten, um ein Auge auf ihre Vermögenswerte zu werfen. Die Main Street führte weiter nach Westen, zwischen zwei Bergen hindurch zu zwei Ansammlungen von Bergarbeiterhäusern, die wir Middletown und Frog Level nannten. Zwei Abzweigungen führten durch Bergsenken hinauf zu den "farbigen" Siedlungen von Mudhole und Snakeroot. Dort endete das Pflaster, und eine zerfurchte, unbefestigte Straße begann.

Am Eingang nach Mudhole stand eine winzige hölzerne Kirche, der Reverend "Little" Richard vorstand; den Spitznamen "Little" hatte er wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Soulsänger bekommen. Niemand oben in Mudhole hatte die Zeitung abonniert, aber immer wenn ich ein Exemplar übrig hatte, legte ich es vor die kleine Kirche, und im Laufe der Jahre wurden Reverend Richard und ich Freunde. Ich liebte es, wenn er sich einen Augenblick Zeit nahm, auf die Kirchenveranda hinaustrat und mir schnell eine Geschichte aus der Bibel erzählte, während ich auf meinem Fahrrad hockte und zuhörte, fasziniert von seiner sonoren Stimme. Ganz besonders bewunderte ich seine Schilderung von Daniel in der Löwengrube. Wenn er mir mit hervorquellenden Augen das Erstaunen vorspielte, das Daniels Wärter ergriff, als sie nach unten blickten und sahen, wie ihr Gefangener sich in der Grube rekelte und den Arm um den Kopf eines riesigen Löwen gelegt hatte, lachte ich zustimmend. "Dieser Daniel, der kannte den Herrn", fasste der Reverend mit einem leisen Glucksen zusammen, während ich immer noch kicherte. "Und das machte ihn so tapfer. Wie steht's mit dir, Sonny? Kennst du den Herrn?"

Ich musste zugeben, dass ich mir da nicht so sicher war, aber der Reverend meinte, das ginge schon in Ordnung. "Gott hat ein Auge auf die Trinker und die Narren", sagte er mit einem breiten Grinsen, das seine goldenen Vorderzähne zum Vorschein kommen ließ, "und ich schätze, er wird auch auf dich aufpassen, Sonny Hickam." Wann immer ich in späteren Jahren in Schwierigkeiten war, habe ich an Reverend Richard und seinen Glauben an Gottes Sinn für Humor und Seine Vorliebe für Taugenichtse gedacht. Es machte mich zwar nicht so tapfer wie den guten alten Daniel, aber zumindest gab es mir ein bisschen Hoffnung, dass Er mich gerade noch einmal durchkommen lassen würde.

Die Kirche der Gesellschaft, die die meisten weißen Bewohner unserer Stadt besuchten, stand auf einem kleinen, grasbewachsenen Hügel. Gegen Ende der fünfziger Jahre wurde ihr als neuer Pfarrer Reverend Josiah Lanier zugewiesen, ein Angestellter der Gesellschaft, der sich als Methodist entpuppte. Unsere Konfession passte sich automatisch dem Glauben an, dem der von der Gesellschaft beschäftigte Prediger anhing: Bevor wir Methodisten wurden, erinnere ich mich daran, eine Zeit lang Baptist gewesen zu sein und, für ein Jahr, ein Anhänger der Pfingstbewegung. Der Pentekostal-Prediger schleuderte Feuer und Schwefel und Warnungen vor dem Tod von seiner Kanzel herab und versetzte die Frauen in Angst und Schrecken. Als sein Vertrag auslief, bekamen wir Reverend Lanier.

Ich war stolz darauf, in Coalwood zu leben. Laut den Geschichtsbüchern von West Virginia hatte noch nie jemand in den Tälern und auf den Hügeln des McDowell County gelebt, bevor wir kamen, um nach Kohle zu graben. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatten zwar gelegentlich einige Cherokee-Stämme in diesem Gebiet gejagt, doch erschien ihnen das Gelände zu zerklüftet und wenig anziehend. Als ich acht Jahre alt war, entdeckte ich auf dem Berg hinter unserem Haus eine steinerne Pfeilspitze, eingebettet in den Stumpf einer alten Eiche. Meine Mutter sagte, dass ein Hirsch vor vielen Jahren großes Glück gehabt haben musste. Ich war so begeistert von meinem Fund, dass ich einen Indianerstamm erfand, die Coalhikaner, und meine Spielkameraden – Roy Lee, O'Dell, Tony und Sherman – davon überzeugte, dass er wirklich existiert hatte. Zu fünft malten wir auf unsere Gesichter Streifen aus Beerensaft und steckten uns Hühnerfedern ins Haar. Tagelang bildete unser kleiner Stamm von Wilden Angriffstrupps und beging Massaker in ganz Coalwood. Wir umzingelten das Club House und schossen mit unseren Bögen aus Birkenzweigen und unsichtbaren Pfeilen die alleinstehenden Bergleute ab, die von der Arbeit zurückkehrten. Die meisten ließen uns gewähren, und manche fielen sogar um und litten überzeugend auf dem riesigen, sorgfältig gepflegten Rasen vor dem Club House. Als wir am Tor vor dem Kipper aus dem Hinterhalt angriffen, kamen auch die zur Schicht gehenden Bergleute richtig in Fahrt, stießen Kriegsgeschrei aus und erwiderten das imaginäre Feuer. Mein Vater, der das Ganze von seinem Büro am Kipper aus beobachtete, musste die Ordnung wiederherstellen. Obwohl die Coalhikaner sich in die Hügel retten konnten, wurde ihr Häuptling am selben Abend während des Essens daran erinnert, dass die Zeche zum Arbeiten und nicht zum Spielen da war.

Als wir einige der älteren Jungen – darunter auch mein Bruder Jim – aus dem Hinterhalt überfielen, während sie oben in den Bergen gerade Cowboys spielten, brach ein großer Scheinkrieg aus, bis Tony, der der besseren Sicht wegen in einem Baum hockte, auf einen morschen Ast trat, herunterfiel und sich den Arm brach. Ich organisierte den Bau einer Trage aus Ästen, und wir beförderten den großen Krieger nach Hause. Der Arzt der Gesellschaft, "Doc" Lassiter, fuhr in seinem alten Packard vor Tonys Haus vor und kam herein. Als er sah, dass wir immer noch unseren Federschmuck und unsere Kriegsbemalung trugen, sagte Doc, er sei "Mächtig Großer Medizinmann". Dann richtete er Tonys Arm und legte ihn in Gips. Ich weiß noch, was ich darauf schrieb: Tony – nimm beim nächsten Mal einen besseren Ast. Im selben Jahr starb Tonys Vater, ein italienischer Einwanderer, bei einem Grubenunglück. Daraufhin gingen er und seine Mutter weg, und wir hörten nie wieder etwas von ihnen. Das Ganze erschien mir völlig logisch: Zu einer richtigen Coalwood-Familie gehörte ein Vater, der für die Gesellschaft arbeitete. Die Gesellschaft und Coalwood waren ein und dasselbe.

Fast alles, was ich über die Geschichte von Coalwood und die ersten Jahre meiner Eltern zu hören bekam, erfuhr ich am Küchentisch, nachdem das Abendbrot abgeräumt war. Dann machte Mom sich eine Tasse Kaffee, Dad nahm sich ein Glas Milch, und wenn sie nicht über irgendeine Angelegenheit stritten, redeten sie über die Stadt und die Leute, die hier wohnten, über das Neueste von der Zeche und was beim letzten Treffen des Frauenvereins gesagt worden war. Manchmal erzählten sie auch kleine Geschichten darüber, wie es früher einmal gewesen war. Mein Bruder Jim langweilte sich meistens und fragte, ob er aufstehen dürfe, aber ich war fasziniert von ihren Erzählungen und blieb am Tisch sitzen.

George L. Carter, der Gründer von Coalwood, kam im Jahre 1887 auf dem Rücken eines Maultiers in diese Gegend. Er fand nichts als Wildnis und, nachdem er ein wenig gegraben hatte, eines der ergiebigsten Steinkohlevorkommen der Welt. Daraufhin versuchte Mr. Carter sein Glück, kaufte das Land den Eigentümern ab, die nicht auf ihrem Grundbesitz lebten, und begann mit dem Bau einer Zeche. Außerdem errichtete er Häuser, Schulgebäude, Kirchen, einen Laden, eine Bäckerei und einen Eiskeller. Dann stellte er einen Arzt und einen Zahnarzt ein, die die Bergarbeiter und ihre Familien unentgeltlich behandeln sollten. Während die Jahre vergingen und seine Kohlengesellschaft florierte, ließ Mr. Carter Bürgersteige aus Beton gießen, die Straßen pflastern und die Stadt einzäunen, damit die Kühe nicht mehr überall frei umherlaufen konnten. Mr. Carter wollte, dass seine Bergleute einen anständigen Ort zum Leben hatten. Aber im Gegenzug verlangte er anständige Arbeit. Schließlich war Coalwood vor allem ein Ort, an dem gearbeitet wurde – eine harte, schmerzhafte, schmutzige und manchmal tödliche Arbeit.

Als Mr. Carters Sohn aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrte, brachte er seinen ehemaligen Kommandanten mit, einen Stanford-Absolventen mit großen technischen Fähigkeiten und hohem sozialem Engagement namens William Laird, den sämtliche Einwohner der Stadt voller Respekt und Ehrerbietung nur den Captain nannten. Der Captain, ein großer, ausladender Mann von fast zwei Metern Größe, betrachtete Coalwood als Versuchsterrain für seine Ideen, als einen Ort, wo die Gesellschaft den Bewohnern Frieden, Wohlstand und Ruhe schenken konnte. Von dem Augenblick an, als Mr. Carter ihn einstellte und ihm die Leitung des Betriebs übergab, führte der Captain die modernsten Errungenschaften der Bergwerkstechnik ein. Er ließ Wetterschächte zur Belüftung abteufen und die Maultiere, die bis dahin die Kohle aus der Grube geschleppt hatten, so schnell wie möglich durch Elektrokarren ersetzen. Später setzte der Captain dem Abbau von Hand ein Ende und führte riesige Maschinen ein, sogenannte Fräslader, die die Kohle aus dem Flöz rissen. Außerdem erweiterte er Mr. Carters Bauprogramm und stellte jedem Bergmann in Coalwood ein Haus mit sanitären Anlagen, einem Dauerbrandofen im Wohnzimmer und einer Kohlenkiste zur Verfügung, die die Gesellschaft immer gut gefüllt hielt. Für die Wasserversorgung der Stadt ließ er ein uraltes, unberührtes Wasserreservoir anzapfen, das etwa dreihundert Meter unter der Erde lag. Er legte an beiden Enden der Stadt Parks an, gründete Pfadfindervereinigungen (für Jungen und Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen) und den Frauenverein. Er vergrößerte die Schulbücherei und ließ einen Schulhof und ein Footballfeld bauen. Da die Berge den Empfang beeinträchtigten, errichtete er 1954 eine Antenne auf einem hohen Bergkamm und verlegte als kostenloses Angebot für die Mitarbeiter eines der ersten Kabelfernsehsysteme in den Vereinigten Staaten.

Obwohl nicht alles perfekt war und es wegen der Löhne immer wieder zu Spannungen zwischen der Gesellschaft und den Bergarbeitern kam, blieben Coalwood, zumindest eine Zeit lang, die Gewalt, die Armut und das Leid anderer Städte im Süden West Virginias erspart. Ich erinnere mich, wie ich im Dunkeln auf der Treppe hockte und dem Vater meines Vaters – ich nannte ihn Poppy – zuhörte, der mit Dad in unserem Wohnzimmer über das "blutige Mingo" sprach, einen Bezirk, der ein Stück die Straße hinauf begann. Poppy hatte eine Weile dort gearbeitet, bis ein Krieg zwischen den gewerkschaftlich organisierten Bergleuten und den "Detektiven" der Gesellschaft ausbrach. In regelrechten Feldschlachten mit Maschinengewehren, Pistolen und Flinten waren Dutzende von Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Um der Gewalt zu entkommen, zog Poppy mit seiner Familie zunächst nach Harlan County in Kentucky und später, als dort die Unruhen ausbrachen, ins McDowell County, wo er auf der Zeche in Gary arbeitete. Es war ein Fortschritt, aber auch in Gary kam es immer wieder zu Streiks und Aussperrungen, und gelegentlich gab es blutige Köpfe.

(Continues…)



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