Stefan - Jenseits der Kindheit

Stefan - Jenseits der Kindheit

by Walter Kaufmann

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Overview

Stefan - das ist Walter Kaufmann, der als Kind jüdischer Adoptiveltern mit viel Glück vor den Nazis aus Deutschland fliehen konnte, zunächst nach England, dann nach Australien. Aus der Sicht des jüdischen Jungen Stefan erfahren wir vom Alltag in Deutschland und den wachsenden Schikanen gegenüber den Juden, aber auch von Solidarität, von der Flucht nach England und von seiner Deportation nach Australien: 'Sie erreichten das Lager lange nachdem sie von weit her die Wachtürme gesichtet hatten, und als sich hinter ihnen die drei Stacheldrahttore schlossen, empfanden sie die massiven Holzbaracken des Lagers wie eine Zuflucht vor der Wüste.' Dort, in der australischen Wüste gehen Kindheit und Jugend von Stefan zu Ende. INHALT: DIE EINFACHEN DINGE NEUGIER IM HERBST DIE TASCHENUHR BONBONS DIE EIDECHSE MENSCHENJAGD GERANIEN UND ROSEN SPINAT DIE PAPAGEIENKRANKHEIT DREIUNDSIEBZIG MUTPROBE SCHWESTER JÜLCHEN DIE MUSIKSTUNDE INQUISITION DER UNFALL HELDEN X, YPSILON UND DIE WOHLTÄTIGE DER ARIER HASS MIRIAM FLUCHT DAS GEMÄLDE DER SCHREI DER KRÜCKEN ABREISE DREI TAGE IM JANUAR JENE STUNDEN IM INTERNAT WHITELADIES DIE GUERNSEY-LEKTION PARIAS VERBANNUNG

Walter Kaufmann (eigentlich Jizchak Schmeidler) wurde 1924 in Berlin als Sohn einer jüdischen Verkäuferin geboren und 1926 von einem jüdischen Anwaltsehepaar adoptiert. Er wuchs in Duisburg auf und besuchte dort das Gymnasium. Seine Adoptiveltern wurden nach der Reichskristallnacht verhaftet, kamen ins KZ Theresienstadt und wurden im KZ Auschwitz ermordet. Ihm gelang 1939 mit einem Kindertransport die Flucht über die Niederlande nach Großbritannien. Dort wurde er interniert und 1940 mit dem Schiff nach Australien gebracht. Anfangs arbeitete er als Landarbeiter und Obstpflücker und diente als Freiwilliger vier Jahre in der Australischen Armee. Nach 1945 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Straßenfotograf, auf einer Werft, im Schlachthof und als Seemann der Handelsmarine. 1949 begann er seinen ersten Roman, der 1953 in Melbourne erschien. 1957 übersiedelte er in die DDR, behielt jedoch die australische Staatsbürgerschaft. Seit Ende der 1950er Jahre ist Walter Kaufmann freischaffender Schriftsteller. Ab 1955 gehörte er dem Deutschen Schriftstellerverband und ab 1975 der PEN-Zentrum der DDR, dessen Generalsekretär er von 1985 bis 1993 war. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Walter Kaufmann war außerdem in mehreren DEFA-Filmen als Darsteller tätig, teilweise unter dem Pseudonym John Mercator. Auszeichnungen 1959: Mary Gilmore Award 1961, 1964: Theodor-Fontane-Preis des Bezirkes Potsdam 1967: Heinrich-Mann-Preis 1993: Literaturpreis Ruhrgebiet Bibliografie Werke in englischer Sprache Voices in the storm The curse of Maralinga and other stories American encounter Beyond the green world of childhood Werke in deutscher Sprache Wohin der Mensch gehört Der Fluch von Maralinga Ruf der Inseln Feuer am Suvastrand Kreuzwege Die Erschaffung des Richard Hamilton Begegnung mit Amerika heute Unter australischer Sonne Hoffnung unter Glas Stefan - Mosaik einer Kindheit Unter dem wechselnden Mond Gerücht vom Ende der Welt Unterwegs zu Angela Das verschwundene Hotel Am Kai der Hoffnung Entführung in Manhattan Patrick Stimmen im Sturm Wir lachen, weil wir weinen Irische Reise Drei Reisen ins gelobte Land Kauf mir doch ein Krokodil Flucht Jenseits der Kindheit Manhattan-Sinfonie Tod in Fremantle Die Zeit berühren Ein jegliches hat seine Zeit Im Schloss zu Mecklenburg und anderswo Über eine Liebe in Deutschland Gelebtes Leben Amerika Die Welt des Markus Epstein Im Fluss der Zeit Schade, dass du Jude bist

Product Details

ISBN-13: 9783863945602
Publisher: EDITION digital
Publication date: 01/01/2012
Sold by: CIANDO
Format: NOOK Book
Pages: 182
File size: 503 KB

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Read an Excerpt

Im Schuppen hockten sie auf Kisten, die Flasche zwischen sich auf dem Boden - fast unberührt noch stand Stefans Glas auf dem Werkzeugregal. Das Zeug schmeckte ihm nicht. Er fand aber auch nichts dabei, dass Sigi trank. So mitteilsam wie jetzt hatte er ihn noch nie erlebt - Stefan schien es, als wäre er in jener Nacht in Ulm dabei gewesen, als wäre auch er aufgeschreckt worden vom Splittern der Haustür oben, dem Getrappel von Stiefeln auf den Kellerstufen, er sah den grellen Schein von Stablampen über die erstarrten Gesichter gleiten, hörte die SA-Leute brüllen: "Da ist das Pack, nun aber los!" Und weil Sigi nicht schnell genug hochkommt, auch das sah Stefan, versetzt ihm der SA-Mann einen Tritt, Sigi prallt gegen die Wand, es reißt ihm die Brille vom Gesicht, und der SA-Mann zertritt die Brille mit dem Stiefelabsatz. Wie ein Blinder tastet sich Sigi aus dem Keller den anderen nach, die Treppe hoch und durch die zertrümmerte Haustür auf die Straße. Sie müssen ihn zu dem Laster führen, der da vor dem Haus steht, und weil Sigi allein nicht zurechtkommt, packen sie ihn und schleudern ihn auf die Ladefläche. "Da hast du dein Fett, du blinder Sack!" Und begreiflich war Stefan auch, dass sie den, der da so hilflos um sich tastet, am wenigsten beachten - der entkommt uns nicht. Und ehe noch das Fahrzeug um die Ecke biegt, hat Sigi die Ladeklappe gepackt, sich hochgestemmt und hinausgeschwungen, ist draußen auf den Füßen gelandet und im Dunkel der Gasse zwischen den Häusern verschwunden.
"Hast du mal einen Blinden an der Bordsteinkante zögern sehen, ehe er sich über den Fahrdamm wagt?"
Stefan nickte.
"Will nur erklären", sagte Sigi, "warum sich gleich ein paar Leute meiner annahmen und niemand auf den Gedanken kam, dass ich auf der Flucht sei. Eben ein Blinder. Das Brüllen der SA-Männer dahinten in der Gasse konnte doch keinem Blinden gelten! Kurzum, ohne sich dessen bewusst zu werden, halfen sie mir unterzutauchen, und zwei Tage später war ich in der Schweiz, von wo ich dann nach England kam." Während er noch sprach, entnahm er seiner Brieftasche ein Foto und hielt es Stefan hin. "Das sind sie - meine Eltern."
Stefan schwieg - er stellte sich die beiden Alten zwischen den kahlen Wänden ihrer Gefängniszellen vor, und er empfand Sigis Qual, als sei sie die eigene. "Du kommst nach deiner Mutter", sagte er schließlich.
Sigi senkte den Blick. Seine Hand war unstet, als er das Foto in die Brieftasche zurückschob. "Und nun lass endlich hören, was dich bedrückt", forderte er.

Da gingen so viele Dinge zusammen, und Stefan konnte sie nicht nennen - Sätze aus einem Brief, den die Eltern noch über das Rote Kreuz hatten schreiben können, vor allem aber dieses Foto: der Ausdruck ihrer Augen, und wie gezeichnet der Vater noch war von der langen Haft! Und was hatte es zu bedeuten, dass die Mutter sich mit den Füßen plagte, von geschwollenen Füßen schrieb; wohin musste sie so weit laufen, warum sich so oft und so lange anstellen? "Wir denken immer an Dich und hoffen auf ein Wiedersehen." Wenn er das Foto betrachtete, versagte ihm der Mut.

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